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Nach über 120 Jahren Schlummer in den Archiven:

Wiederaufführung des Oratoriums „Arminius“ von Max Bruch als Höhepunkt des „VII. Internationalen Chorfestivals Detmold“. Am 17. Juli 2009 - Open-Air-Bühne im Palaisgarten, Detmold

„Oh, you‘re from Detmold?“ und dann fangen sie an zu singen, die Musikfreunde auf den Chorreisen in Südafrika, Frankreich, Kanada oder Israel: „Lippe Detmold, eine wunderschöne Stadt, darinnen ein Soldat“. Und den Soldaten kennt man auch in der Welt, er steht doch weithin sichtbar mit Schwert in der Hand auf einem Berg bei Detmold, die Geste kennt man von der Freiheitsstatue. Dann fällt Ihnen noch ein zweites Volkslied ein, das Spottlied „als die Römer frech geworden“ von Victor von Scheffel, zu dem Heinrich Heine einige Anregungen gegeben hat. Es ist in den Weltkriegen auf Feldpostkarten über den ganzen Globus verbreitet worden. Dieses Volkslied hat der Philharmonische Chor, der sich seit seiner Gründung als musikalischer Botschafter Lippes versteht und in „Lippe Detmold“ seinen Probenort hat, immer wieder singen müssen, im Fernsehen, Radio oder auf Konzertreisen; auch wenn den 45 Sängerinnen und Sängern die Kompositionen von Brahms, Lortzing oder dem Gabrieli-Schüler Giovanni Grabbe aus dem Umfeld des musikliebenden Fürstenhofes mehr am Herzen liegen. Das Lied transportiert ein paar historische Fakten, sehr unterhaltsam und eingänglich, aber auch sehr einseitig, genau wie die über 75 Opern, die sich mit der berühmten „Schlacht am Teutoburger Wald“ beschäftigen.

Das Oratorium „Arminius“ von Max Bruch, das im Jahr der Einweihung des Hermanndenkmals (1875) uraufgeführt wurde, befaßt sich mit dem Thema aus der Sicht des späten 19. Jahrhunderts. Bruch, der übrigens mit Victor von Scheffel befreundet war und mehrere Stücke von ihm vertonte, ging es in erster Linie um eine dramaturgisch gute Geschichte, die Platz für bewegte Massen, Chöre und imponierende Helden hat. Ein Heldenepos, das in den kriegerischen Zeiten der deutschen Reichsgründung auch auf Publikumserfolg hoffen konnte.

Daß wir uns heute gerne die großartige, spannende Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy zu der altestamentlichen Heldengeschichte „Der Elias“ anhören, in der die Baalspriester dahingeschlachtet werden und Probleme mit dieser Geschichte vom Kampf „David gegen Goliath“ haben, die im Grunde zum Frieden zwischen deutschen Kleinstaaten aufruft, liegt in der jüngeren deutschen Geschichte begründet.

Frieden unter Brüdern war 1875 leider nur durch ein gemeinsames Feindbild möglich: Arminius als Idee der Befreiung von Fremdherrschaft, als Reaktion auf die napoleonische Besatzung. Genauso wurde Arminius schon zum Kämpfer für die Reformation gegen das römische Papstum stilisiert – „ich hab in (den Heermann) von hertzen lieb“ schrieb Luther.

Das wir heute dieses Oratorium, ein historisch interessantes Stück Musikgeschichte von hoher musikalischer Qualität, gemeinsam mit dem Chor der Technischen Universität Stettin (Polen) und Im Rahmen des VII. Internationalen Chorfestivals aufführen können, ist ein großer Fortschritt in der Verständigung der Völker.
 
Volker Schrewe

Bei dem Werk handelt es sich um ein Oratorium für gemischten Chor, Solostimmen 
und Orchester von Max Bruch op. 43  aus dem Jahr 1875. Die Dichtung stammt von Adam-Josef Cüppers.               

Die Ausführenden waren:                                                                  Philharmonischer Chor Lippe -  Chór Akademicki Politechniki Szczecińskiej im. prof. Jana Szyrockiego - MGV Liedertafel. Werther - Jeanette Giese,Mezzosopran - Andre Lenardi, Tenor -Joachim Goltz, Bariton - Christoph Grohmann, Orgel - Folkwang-Kammerorchester Essen   - Gesamtleitung: Volker Schrewe  


 
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